Sonntag, 6. Dezember 2015


Heilmittel Sehnsucht Teil 4: Warum Sehnsucht?

Wir haben uns am Ende des letzten Beitrages mit einem Widerspruch konfrontiert gesehen:
Einen Teil der Antwort nach der Frage was Sehnsucht ist, fanden wir in der Erkenntnis: Sehnsucht ist (auch) eine Suche nach Gott UND eine Suche nach sich selbst.
Geht das zusammen?

Viele Menschen, mit denen ich spreche, glauben, um Gott zu finden,  braucht es bestimmte Haltungen:
Wir glauben vielleicht, wir sind Gott nahe,
·      wenn wir asketisch leben
·      wenn wir bescheiden sind
·      wenn wir uns klein machen
·      wenn wir uneigennützig leben
·      hohe Opferbereitschaft zeigen
usw.
Auf diese Weise bewegen wir uns sehr stark von uns selbst weg.
Wer kennt  nicht den berühmten Teil (ursprünglich von Marianne Williamson) aus der Rede Nelson Mandelas zu  seinem Amtsantritt? Da heißt es u.a.

„.....Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten Angst macht.
Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?...“
Das ist  - zumindest in den nicht mehr ganz jungen Generationen, zu denen auch ich gehöre – die Ausrichtung, die uns vertraut ist. Diese Wertevorstellung wurde uns, zumindest der Kinder der Kriegs/Nachkriegsgeneration von unseren Eltern, Lehrern und der Gesellschaft vermittelt, vorgelebt.
Wenn Du unauffällig bleibst, bescheiden, klein, dann wirst Du geliebt. Dann bist Du in Ordnung.
In der Rede Nelson Mandelas heißt es dann:
„Aber wer bist Du, Dich nicht so (brillant, großartig etc. – s.o.) zu nennen?
Du bist ein Kind Gottes.“
DAS ist die Begründung dafür, unsere Größe zu leben! Wir sind „ein Kind“ Gottes und DESHALB dürfen wir uns „großartig“ fühlen und das auch leben!
Weiter sagt er:.
„Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.“
Ahaa? Überrascht uns das nicht? Haben wir es nicht anders herum gelernt? Aber vielleicht haben wir „Welt“ verwechselt, mit den Bedürfnissen derer, die es uns beigebracht haben?! Denn unsere Erzieher, wer auch immer einen großen Einfluss auf uns als Kind hatte, haben dies ja selbst in noch viel stärkerem Maße erlebt, weil sie in einer schlimmen Zeit aufwuchsen, die geprägt war von Gewalt und Unterdrückung.
Also haben sie uns in guter Absicht weiter gegeben, was sie selbst als hilfreich erlebt haben. Diese Art der Prägung reicht aber noch viel weiter zurück. Es war immer im Interesse mächtiger Herrscher, ob politischer oder religiöser Machthaber, uns klein zu halten. Denn das ist sicherer und weniger anstengend. Und schon ein Schaf, das aus der Herde ausschert, ist gefährlich. Andere könnten auch auf den Geschmack kommen.
Nelson Mandela sagt in seiner Rede weiter:
„Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich klein zu machen ...“
Das ist es doch, was wir oft glauben? Menschen glauben sich gerne „erleuchtet“
Oft steckt dahinter eine große Unsicherheit über die eigene Identität. Eine Unsicherheit, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, der einem das notwenige Gefühl von Selbstwert gibt, das viele von uns sich erarbeiten müssen – aufgrund eben dieser Prägungen.
Aber: „Du bist ein Kind Gottes“. Aber was bedeutet das eigentlich genau?
Was es für mich bedeutet, dazu komme ich im nächsten Beitrag.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Nikolaustag und eine schöne Adventswoche!

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